01. Januar 2023 · Allgemein

Erst einzahlen, bevor Du abhebst

Wie sieht Dein Konto aus?

Nicht Dein Bankkonto.

Dein Körperkonto.

Wie viel hast Du in den letzten Jahren eingezahlt?

Und wie viel möchtest Du jetzt abheben?

Du möchtest weniger Schmerzen.

Mehr Beweglichkeit.

Mehr Kraft.

Wieder Treppen steigen können.

Wieder laufen.

Wieder wandern.

Wieder Sport treiben.

Wieder das Leben genießen.

Und natürlich möchtest Du dabei möglichst schnell Hilfe.

Vielleicht eine Physiotherapie.

Eine Operation.

Eine Spritze.

Eine Tablette.

Eine Reha.

Ein neues Hilfsmittel.

Und ja:

Es gibt Situationen, in denen wir diese Unterstützung dringend brauchen.

Unfälle passieren.

Erkrankungen entstehen.

Der Körper kann verletzt werden.

Und niemand sollte sich dafür schämen, Hilfe anzunehmen.

Aber manchmal lohnt sich eine andere Frage.

Eine unbequeme Frage.

Was hast Du eigentlich selbst in Deinen Körper eingezahlt?

Erst einzahlen.

Dann abheben.

Stell Dir vor, Du würdest Dein Bankkonto über Jahre hinweg ignorieren.

Du würdest jeden Monat Geld abheben.

Aber niemals etwas einzahlen.

Immer weiter.

Noch eine Abbuchung.

Noch eine.

Und noch eine.

Irgendwann ist das Konto leer.

Und dann?

Dann kannst Du nicht einfach empört sein, dass kein Geld mehr da ist.

Du hast jahrelang abgehoben.

Ohne einzuzahlen.

Mit Deinem Körper machen wir es oft ganz ähnlich.

Wir sitzen.

Wir bewegen uns wenig.

Wir schlafen zu wenig.

Wir ernähren uns nicht optimal.

Wir ignorieren erste Warnsignale.

Wir verschieben Bewegung auf morgen.

Wir sagen:

„Dafür habe ich gerade keine Zeit.“

Und dann kommt irgendwann der Moment, in dem der Körper nicht mehr mitmacht.

Der Rücken schmerzt.

Die Schulter lässt sich nicht mehr bewegen.

Die Knie tun weh.

Die Kondition ist verschwunden.

Die Muskulatur hat abgebaut.

Und plötzlich soll jemand anderes das Problem lösen.

Möglichst schnell.

Der Körper ist kein Kontoautomat

Unser Gesundheitssystem kann unglaublich viel leisten.

Und wir sollten dankbar sein, dass es diese Möglichkeiten gibt.

Medizinische Versorgung ist wichtig.

Physiotherapie ist wichtig.

Operationen retten Leben.

Medikamente können notwendig sein.

Rehabilitation kann entscheidend sein.

Aber vielleicht haben wir uns an eine Denkweise gewöhnt, die uns langfristig nicht guttut.

Wir warten.

Bis etwas passiert.

Bis etwas weh tut.

Bis wir nicht mehr können.

Und dann erwarten wir, dass jemand anderes unseren Körper wieder repariert.

Aber Dein Körper ist keine Maschine, die Du jahrelang ignorieren und dann einfach zur Reparatur abgeben kannst.

Du bist nicht passiv.

Du bist nicht nur Patient.

Du bist auch Mitgestalter Deiner Gesundheit.

Prävention beginnt nicht beim Arzt

Prävention beginnt nicht erst dann, wenn Du Schmerzen hast.

Prävention beginnt vorher.

Viel früher.

Vielleicht mit einem Spaziergang.

Mit Krafttraining.

Mit Beweglichkeit.

Mit ausreichend Schlaf.

Mit einer Ernährung, die Deinen Körper unterstützt.

Mit Pausen.

Mit der Entscheidung, nicht jeden Tag acht Stunden am Stück zu sitzen.

Mit der Bereitschaft, Dich um Deinen Körper zu kümmern, bevor er Dich dazu zwingt.

Du musst dafür kein Leistungssportler werden.

Du musst nicht jeden Tag trainieren.

Du musst nicht perfekt leben.

Aber Du kannst einzahlen.

Ein bisschen.

Regelmäßig.

Immer wieder.

Und dann kommt die Rechnung

Natürlich wirst Du trotzdem irgendwann krank.

Natürlich wirst Du älter.

Natürlich kann Dein Körper verletzt werden.

Bewegung ist keine Garantie dafür, niemals Schmerzen zu haben.

Und regelmäßiges Training schützt Dich nicht vor allem.

Das wäre unseriös zu behaupten.

Aber Du kannst Deine Ausgangssituation beeinflussen.

Du kannst Deinen Körper stärker machen.

Du kannst Beweglichkeit erhalten.

Du kannst Deine Kraft trainieren.

Du kannst lernen, Deinen Körper besser wahrzunehmen.

Du kannst frühzeitig reagieren.

Und vielleicht ist genau das der Unterschied:

Nicht zu warten, bis Dein Körper Dir die Rechnung präsentiert.

Sondern vorher regelmäßig einzuzahlen.

Die Frage ist nicht: Was bekomme ich?

Vielleicht sollten wir uns viel häufiger fragen:

Was kann ich selbst tun?

Nicht aus Schuld.

Nicht, weil Du selbst für jede Erkrankung verantwortlich bist.

Nicht, weil jeder Mensch dieselben Möglichkeiten hat.

Sondern weil Du mehr Einfluss hast, als Du vielleicht denkst.

Was kannst Du heute für Deinen Körper tun?

Kannst Du Dich zehn Minuten bewegen?

Kannst Du eine Treppe nehmen?

Kannst Du Deine Muskulatur stärken?

Kannst Du Deinen Körper einmal wieder bewusst wahrnehmen?

Kannst Du etwas tun, bevor es wehtut?

Bevor Du nicht mehr kannst?

Bevor Du Hilfe brauchst?

Du musst nicht warten, bis Dein Körper Dich stoppt.

Du kannst anfangen, Dich um ihn zu kümmern, solange er Dich noch trägt.

Also:

Wenn Du das nächste Mal auf Deinen Körper „abheben“ möchtest, frag Dich vorher:

Was habe ich in letzter Zeit eingezahlt?

Nicht, um Dich zu verurteilen.

Sondern um ehrlich zu sein.

Denn Dein Körper begleitet Dich Dein ganzes Leben.

Du hast nur diesen einen.

Und vielleicht ist es an der Zeit, Deine Beziehung zu ihm zu verändern.

Nicht erst dann, wenn er Probleme macht.

Nicht erst dann, wenn Du Schmerzen hast.

Nicht erst dann, wenn jemand anderes Dir sagt, dass Du etwas tun musst.

Sondern jetzt.

Bewegung ist keine Strafe.

Gesundheit ist kein Zufall.

Und Dein Körper ist kein Konto, von dem Du unbegrenzt abheben kannst, ohne irgendwann einzuzahlen.

Also: Was zahlst Du heute auf Dein Körperkonto ein?