{"id":635,"date":"2017-02-28T15:00:41","date_gmt":"2017-02-28T14:00:41","guid":{"rendered":"http:\/\/kristinalinn.de\/?p=635"},"modified":"2017-02-28T15:34:44","modified_gmt":"2017-02-28T14:34:44","slug":"kann-man-glueck-herbeischreiben","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/kristinalinn.de\/index.php\/2017\/02\/28\/kann-man-glueck-herbeischreiben\/","title":{"rendered":"Kann man Gl\u00fcck herbeischreiben?"},"content":{"rendered":"<h1>Wie ein F\u00fcller ein Leben ver\u00e4ndern kann&#8230;<\/h1>\n<p>Bereits ein Jahr ist es her, dass ich mich im Schreibwarengesch\u00e4ft dazu entschieden habe, mir eine kleine Freude mit einem F\u00fcller zu machen. Ein F\u00fcller: warum? Viel zu umst\u00e4ndlich, dauert viel l\u00e4nger beim Schreiben, wer schreibt heutzutage noch mit Tinte? Wer kennt noch die klassische Feder?<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Was mit einfachen Eintragungen in mein Tagebuch angefangen hatte, hat sich weiter ausgebreitet. Ich unterschrieb wieder vermehrt meine Gesch\u00e4ftsbriefe und Rechnungen mit F\u00fcller und \u201eproduzierte\u201c mehr und mehr pers\u00f6nliche Briefe mit meinem grazilen, schwarzen Kalligraphie-F\u00fcller \u2013 ein einfacher von LAMY, der mir jedoch sehr gut in der Hand lag und schnell lesbarere Zeilen produzierte als ein Gro\u00dfteil meiner Kugelschreiber-Schreibversuche.<\/p>\n<p>F\u00fcr das vergangene Weihnachtsfest hatte ich mir vorgenommen, jedem meiner Klienten, jedem meiner Freunde und jeder Person, mit der ich im Jahr 2016 eine besondere Begegnung hatte, eine handgeschriebene &amp; individuelle Weihnachtskarte zu schreiben.<\/p>\n<p>So war ich auch ganz froh, als ich auf meinem letzten Trip nach England in Bournemouth ein paar wundersch\u00f6ne Karten (die englisch-sprachigen haben einfach noch mal einen besonderen Touch) gefunden habe.<\/p>\n<p>Ende November habe ich dann damit begonnen, die ersten Karten zu schreiben. Eine Karte an eine Freundin in Australien, die mir in meinem Jahr dort zu meinem \u201eGro\u00dfe\u201c-Schwester-Ersatz wurde, zuz\u00fcglich einem 500g Lebkuchen Paket an ihre 4 Jungs und Eltern. Eine Karte an meine Personal Trainer Kollegin Stephanie Lutrelli, eine Karte an ein Klientenp\u00e4rchen, eine Karte an meinen besten Freund &amp; seinen Schatz, eine Karte an eine gute Freundin &amp; ihre Schwester, die zur gleichen Zeit die Weihnachtstage in Tasmanien verbringen sollte, eine Patientin, die ich seit 18 Monaten bereits mit ihrem \u201eSporn\u201c begleiten darf, \u2026<\/p>\n<p>Ich stoppe nun mit der Aufz\u00e4hlung, denn es waren noch einige mehr.<\/p>\n<p>Und es h\u00e4tten noch definitiv mehr sein k\u00f6nnen. Sehr viel mehr.<\/p>\n<p>Das Leben kam dazwischen und da mussten weitere Karten warten. Und wer sagt, dass die Karten immer zur Weihnachtszeit ankommen m\u00fcssen? Dann wenn wir sowieso mit Geschenken, Feiern, whatsapp-Kettenmails \u00fcberfallen werden?!<\/p>\n<p>Ich bin ehrlich: ich hatte mein Handy \u00fcber die Feiertage aus und habe mich \u00fcber jede Karte, jedes Geschenk, jeden Moment gefreut, in dem sich mein Gegen\u00fcber Gedanken \u00fcber mich gemacht hatte. Das ist sogar soweit gegangen, dass es mir das Pippi in die Augen getrieben hat. Ein paar Karten habe ich bisher immer noch nicht gelesen, da ich mir die Ruhe alleine nehmen wollte. Mit meiner Familie drumherum und Freunden hier hatte ich nicht den Kopf\u2026und auch in den Urlaub wollte ich die Karten nicht mitnehmen. Daher freue ich mich nun, wenn ich von Mauritius nach Hause komme, die Karten zu lesen. Gedanken zum vergangenen Jahr und Gedanken f\u00fcr das bereits gestartete, junge Jahr 2017.<\/p>\n<p>Am 30. Dezember 2016 sitze ich im Flieger nach Mauritius, zu meinem Jahresend-\/Jahresstart-Urlaub, nachdem bis auf die letzte Minute alles durchgeplant und getaktet war. Gewappnet u.a. mit dem Buch \u201eDie R\u00fcckkehr des friedvollen Kriegers\u201c von Dan Millman, von dem ich \u00fcberhaupt keinen Schimmer hatte, was auf mich warten sollte, einem kleinen Handbuch \u201eNo Problem\u201c von Veit Lindau und meinem noch leeren, kleinen Urlaubs-Tage-Notizbuch ging es nur mit Handgep\u00e4ck los.<\/p>\n<p>Zur\u00fcck zu meinem Sitzplatz und dem Thema dieses Artikels. Denn nichts passiert in dem Leben einfach so.<br \/>\nAuf Seite 52 des Reisemagazins der Fluggesellschaft stand ein Interview mit Stefan Fink geschrieben. Stefan Fink, der Hamburger F\u00fcller-Produzent, der zu der Frage des Monats befragt wurde: kann man Gl\u00fcck herschreiben?<\/p>\n<p>Er erz\u00e4hlt davon, dass er schon lange nicht mehr mit Kugelschreiber geschrieben hat, da ihm dabei Handgelenk schnell schmerzen und sich die Armmuskulatur leichter verkrampfen, und daher lieber mit Bleistift oder F\u00fcllfederhalter schreibe \u2013 und gleich das pers\u00f6nliche Schriftbild mitliefere.<\/p>\n<p>Er fertigt F\u00fcllfederhalter f\u00fcr Menschen \u00fcberall in der Welt an \u2013 im thail\u00e4ndischen K\u00f6nigshaus, dem Regisseur Wim Wenders, dem Taxifahrer, der lange daf\u00fcr gespart hat, Leute Mitte 20, die den F\u00fcller wieder entdecken. Ihm zufolge werden Emotionen durch das Schreiben hervorgerufen, das Denken trainiert und das Regionen im Gehirn angesprochen, die wir beim Schreiben am Computer nicht erreichen, wie man es bei Kindern sehen kann. Geduld und \u00dcbung sind ben\u00f6tigt und dadurch merken wir uns das Handgeschriebene leichter und die Verbindung zwischen Wort und K\u00f6rper wird direkter und st\u00e4rker. Die Verbindung zwischen K\u00f6rper und Geist\u2026.vielleicht auch Seele?<\/p>\n<p>Was schreibe ich gerne mit meinem F\u00fcller? Briefe, Tagebuch, Geburtstagstags- und Festtagskarten, Adressen auf Briefumschl\u00e4ge \u2013 alles, was irgendwie eine pers\u00f6nliche Note bekommen darf; wo ich mich sp\u00fcren und vor allem auch den Gegen\u00fcber sp\u00fcren darf. Mit jedem Wort, mit jeder Zeile mache ich mir Gedanken zu der Person. Jeder Brief, jede Karte sieht anders aus. Jeder Formulierung \u2013 ein Unikat! Laut Fink werden Gl\u00fcckshormone ausgesch\u00fcttet \u2013 ja, kann sein. In dem Moment, in dem ich schreibe, bin ich einfach bei meinem Gegen\u00fcber \u2013 ich schenke ihm Aufmerksamkeit, Gedanken, Zeit. Und dann bin ich wieder beim Anfang dieses Textes angekommen. Mit jeder Karte habe ich mir Zeit und Raum f\u00fcr die Menschen genommen und so toll ich mir vorgenommen habe, allen eine Karte zu schreiben, so war es nur f\u00fcr eine kleine Anzahl erst einmal m\u00f6glich. Ich kann nicht jeden zur gleichen \u201ebeschreiben\u201c \u2013 gut Ding will Weile haben. Und so darf sich jeder freuen, der mal ein St\u00fcck beschriebenes Papier bekommt: mal als Postkarte, mal in Form einer vollgekritzelten Buchseite \u2013 denn auch hier kannst Du dem F\u00fcller freien Lauf lassen und gleichzeitig jmd eine Lesefreude machen, eine Nachricht auf einem Bierdeckel oder Taschentuch\u2026es gibt so viele M\u00f6glichkeiten.<\/p>\n<p>Kurz vor Weihnachten habe ich beim Aufr\u00e4umen meine Jugendf\u00fcller wieder gefunden \u2013 ebenso die F\u00fcllfederhalter meines Gro\u00dfvaters. Ich bin gespannt, wie sie in meiner Hand liegen werden. Eine neue F\u00fcllfederhalter-Reise beginnt! Ich freu mich drauf!<\/p>\n<p><strong>Was darf dieser Text aussagen?<\/strong><\/p>\n<p>Ich hatte \u00fcberlegt, Menschen in meiner Umgebung einen F\u00fcllfederhalter und Briefpapier zu Weihnachten zu schenken \u2013 und habe mich dann zun\u00e4chst dagegen entschieden. Warum? Weil der Schreiberling zum einen den F\u00fcller auch wirklich vorher ausprobieren sollte, damit er einfach \u201eperfekt\u201c in der Hand liegt, und zum Anderen: Du schenkst mir ja auch nicht gleich ein Kind. Wenn der Schreiberling bereit ist, mit einem F\u00fcller zu schreiben, dann wird er sich entweder bei mir melden oder vielleicht mir selbst irgendwann einen Brief schreiben\u2026und dann wei\u00df ich, dass ich nach neuer Tinte und Briefpapier Ausschau halten darf.<\/p>\n<p><strong>Fragen, die ich sch\u00f6n finde, sich selbst ab und an mal zu stellen:<\/strong><\/p>\n<ol>\n<li>Wann hast Du das letzte Mal mit F\u00fcllfederhalter geschrieben?<\/li>\n<li>Welche Bedeutung hat der F\u00fcller f\u00fcr Dich im digitalen Zeitalter?<\/li>\n<li>Welchen Unterschied hat es f\u00fcr Dich, mit F\u00fcller zu schreiben und elektronisch zu kommunizieren?<\/li>\n<li>Was schreibst Du mit Deinem F\u00fcller? Bzw. w\u00fcrdest Du schreiben?<\/li>\n<li>W\u00fcrdest Du Dir einen F\u00fcller schenken? Ggf. einer anderen Person?<\/li>\n<\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie ein F\u00fcller ein Leben ver\u00e4ndern kann&#8230; Bereits ein Jahr ist es her, dass ich mich im Schreibwarengesch\u00e4ft dazu entschieden habe, mir eine kleine Freude mit einem F\u00fcller zu machen. Ein F\u00fcller: warum? Viel zu umst\u00e4ndlich, dauert viel l\u00e4nger beim Schreiben, wer schreibt heutzutage noch mit Tinte? 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